Guten Abend meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie herzlich – wieder hier in der Manfred-Sauer-Stiftung – zu einer neuen Veranstaltung im Rahmen unserer Lobbacher Gespräche. Es ist bereits unsere 7. Veranstaltung und ich freue mich auch einige bekannte Gesichter wiederzusehen.
Bei seinem Besuch im April dieses Jahres hatte Martin Schulz darauf hingewiesen, dass die SPD typischerweise nicht mit dem Begriff Umwelt/Umweltpolitik in Verbindung gebracht wird. Stimmt leider, obwohl die Partei schon in der 3. Legislaturperiode das Umweltministerium besetzt. Wir wollen diesem Eindruck entgegenwirken: Bereits im Oktober letzten Jahres hatten wir hier 2 Veranstaltungen zum Thema Umwelt – mit Dr. Becker, dem Vizepräsidenten des Deutschen Wetterdienstes und Ernst-Ulrich v. Weizsäcker und dem Aspekt „Nachhaltigkeit unseres Lebens“. Wir wollen Sie heute mitnehmen - wieder mal - in die Welt der Naturwissenschaften, und es dreht sich natürlich wieder um Klima und Umweltschutz, (alle reden vom Wetter, wir auch!) - ein Thema, das in den letzten Monaten vor allem Aufwind bekommen hat durch die Bewegung um die schwedische Schülerin Greta Thunberg „Fridays For Future“. Sie wissen vielleicht auch, wie jüngst den Nachrichten zu entnehmen: Dieser Sommer war der „drittwärmste seit Menschengedenken“, also Grund genug, sich wieder mal dieses Themas anzunehmen.. Dieses Menschengedenken ist jetzt allerdings nicht soo lange, wie man vielleicht meinen könnte, schon gar nicht vor dem Hintergrund astronomischer Zeiträume, es reicht zurück bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, also etwas mehr als 150Jahre, sofern man exakte Temperaturmessungen voraussetzt. In jene Zeit fallen auch die Erkenntnisse des schwedischen Physikochemikers und Nobelpreisträgers Svante Arrhenius. Er hat zwar nicht dafür 1903 den Nobelpreis nicht erhalten, sondern für seine Studien zur Dissoziation von Elektrolyten und zur Geschwindigkeit von chemischen Reaktionen, aber er war Hobbymeteorologe und fand heraus, dass Moleküle bestimmter Struktur, bestimmter Bauart, in der Lage sind, die eingestrahlte Wärme der Sonne, Infrarotstrahlung also, zu speichern und dann in der Atmosphäre zu verteilen und weiter zu geben. Einer dieser Stoffe ist Kohlendioxid, ein an sich ungiftiges Gas, das in der Luft mit ca. 0,04% vorkommt, eine Spurengas also. Kohlendioxid entsteht immer dann, wenn organisches Material, also Holz, aber auch Erdgas oder andere Erdölprodukte verbrennen. Nebenbei bemerkt entsteht es auch bei der alkoholischen Gärung und der Verwendung von Hefe beim Backen und beim Atmen. Kohlendioxid ist vor allem das Produkt des industriellen Fortschritts, bspw die Eisenverhüttung, die Stahlproduktion, erzeugt gewaltige Mengen an CO2, ganz zu schweigen natürlich vom modernen Autoverkehr. Arrhenius postulierte seinerzeit, dass die mittlere Lufttemperatur auf der Erde in den nächsten 100 Jahren um 4° steigen würde, wenn sich der CO2-Gehalt in der Luft verdoppelt. Vor ungef. 100 Jahren lag der CO2-Gehalt der Luft bei 290 ppm (0,03%), heute (2015) sind wir bei etwa 400 ppm (0,04%) Kohlendioxid (Zahlen vom UBA). Unbestritten (!) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die mittlere Temperatur der sog. erdnahen Schichten auf der Erde erhöht, eine Folge von komplizierten Absorptions- und Reflektionsprozessen auf dem Land, im Wasser und in der Atmossphäre, und zwar um gut 1° seit 1900.
Wer jetzt allerdings eine Präsentation glasklarer Fakten erwartet, wie in den Naturwissenschaften eigentlich üblich, muss sich eines Besseren belehren lassen. Quer durch die Welt geht ein tiefer Graben zwischen Anhängern der Kohlendioxid-These und ihren Gegnern. Die deutsche meteorologische Gesellschaft schreibt dann auch in einer Stellungnahme: Es ist unstrittig, daß der anthropogene Treibhauseffekt (der viel richtiger eigentlich Glashauseffekt heißen müsste) noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte. Allerdings liegt bereits eine Reihe von Indizien für eine anthropogene Erwärmung vor. Klimaleugner, wie die Zweifler der Kohlendioxid-Theorie merkwürdigerweise genannt werden (ein merkwürdiger Begriff für ) führen gerne ins Feld, dass die Temperatur in den letzten Jahrhunderten ohnehin schwankte. Tatsächlich spricht die Klimageschichtsforschung von Wärmephasen vor 1000 Jahren (mittelalterliche Wärmeperiode) und von vor 2000 Jahren (spätrömische Wärmeperiode) und vermutlich in den Jahrtausenden vorher sehr ähnlich.
Die Ursachen sind periodische Schwankungen der Sonnenintensität – hier insbesondere der sog Eddy-Zyklus, alle 1000jahre). Damals gab es zwar noch keine Temperaturmessungen, aber man weiß bspw. vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus, der vom köstlichen Wein aus den lieblichen Tälern der britischen Themse schwärmte. Vor 1000 Jahren fuhren die Wikinger mit ihren jetzt nicht so wahnsinnig seetüchtigen Booten auf dem damals wohl recht gutmütigen Atlantischen Ozean nach Norden und sie fanden dort grünes Land (Grönland), das so einladend war, dass sie beschlossen, dort zu siedeln und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Nach ein paar 100 Jahren wurde es dann aber offenbar so ungemütlich, dass sie Grönland wieder verließen. In Europa beobachtet man damals eine „kleine Eiszeit“ in der Mitte des letzten Jahrtausends (1450 – 1850), die zu Mißernten und Hungersnöten führte. In Frankreich rief Königin Marie-Antoinette angeblich ihren Landsleuten zu, sie sollten doch Brioche statt Baguette essen, wenn kein Brot da ist und der Hunger zu stark wird. Klar, dass das der Bevölkerung auf Dauer nicht so gefiel und es kam letztendlich zur Revolution. Merke: Klimatische Veränderungen hatten also oftmals auch dramatische gesellschaftspolitische Veränderungen zur Folge. Wenn man früheren Beobachtungen glauben darf, zeichnete sich diese Zeit (Mitte des letzten Jahrtausends) auch durch eine vglw. geringe Sonnenaktivität aus, festgemacht an der geringen Zahl von Sonnenflecken. Sonnenflecken entstehen durch periodische Änderungen im Magnetfeld der Sonne und sind ein Maß für die Agilität der Sonne. Hier haben wir es also mit einer weiteren Einflußgröße für das Klima bzw. Klimaveränderungen zu tun. Die regelmäßigen Aufzeichnungen reichen übrigens zurück bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Damals beobachtete so gut wie keine Sonnenflecken, was auf eine äußerst kühle Klimaphase schließen läßt (Maunder-Minimum) - Daten vom MPI für Sonnensystemforschung. Die letzten Jahre hingegen zeichnen sich durch überdurchschnittlich hohe Anzahl von Sonnenflecken aus. Man rechnet übrigens mit einem Abstand von 11 Jahren, in denen diese Maxima der Sonnenenergie immer wieder auftreten.
Viel besser könnte Ihnen diese historischen Abläufe allerdings Dr. Sebastian Lüning erklären, der als Referent unserer heutigen Veranstaltung eingeladen und angekündigt war, aber aus dienstlichen Gründen kurzfristig absagen mußte. Daher sind meine einführenden Erläuterungen auch etwas ausführlicher als gewöhnlich geraten. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass ich mit meinen Ausführungen keineswegs sagen möchte, dass Klimaschutz und Kohlendioxidverringerung völlig überflüssig wären, schließlich geht es auch um unsere Rohstoffe (Rohöl, Benzin), die man keineswegs weiterhin so gedankenlos verprassen sollten wie bisher. Außerdem stellt der Gehalt an Kohlendioxid die einzige Einflußgröße dar, die der Mensch beeinflussen könnte. In letzter Zeit ist auch noch Methan sog. Sumpfgas und u.a. ein Produkt der Landwirtschaft, ins Gerede gekommen. Der Anteil von Methan in der Luft liegt z.Zt. bei ca. 2 ppb, das sind 2 Teilchen in 1 Mrd. Teilchen Luft, wenn auch mit steigender Tendenz. Man könnte noch einige andere Beispiele aufzeigen, die illustrieren, welch ein subtiles komplexes Zusammenspiel verschiedener Einflußgrößen das Klima ausmachen. Ein weiterer Parameter z.B., der uns Sorgen bereiten sollte, ist der Feinstaub. Lassen Sie mich noch kurz ein bemerkenswertes Forschungsergebnis erwähnen, das von Forschern der ETH Zürich berichtet wird. Sie stellten fest, dass sich die tropische Regenwaldzone, die sich typischerweise an der Grenze zwischen den Luftmassen der Südhalbkugel und den wasserdampfgesättigten Luftmassen der Nordhalbkugel ausbildet (in der Nähe des Äquators), in den letzten Jahren nach Norden verschiebt, da die Nordhalbkugel wegen des zunehmenden Feinstaubgehaltes der Luft sich deutlich geringer erwärmt als die Luftmassen der Südhalbkugel. Als Folge verschiebt sich die Regenwaldzone nach Norden so fällt zum ersten Mal seit 50 Jahren in der Sahelzone am Südrand der Sahara wieder Regen!
Ich hatte eingangs über die Eigenschaften von Kohlendioxid gesprochen. Wichtig ist CO2 natürlich für Pflanzen, die mithilfe von Sonnenlicht und Chlorophyll (Blattgrün) aus Kohlendioxid Pflanzenmaterial (Cellulose usw.) aufbauen, ein Prozeß, der für eine natürliche Regulierung des CO2-Anteils in der Luft sorgt und verantwortlich für den sog. Kohlenstoffkreislauf auf der Erde ist. Der Mensch macht keine halben Sachen, schon gar nicht wenn es um die Vernichtung seiner eigenen Spezies geht, und so hat er sich schon seit Jahrhunderten daran gemacht, die Grünflächen, die die Erde beleben und für eine Regulierung des CO2-Gehaltes der Luft sorgen, ebenfalls zu dezimieren. So jüngst geschehen im tropischen Regenwald in Brasilien, der gerade unter großer CO2-Produktion abgefackelt wird.
Welche Auswirkungen dieser Raubbau an den Grünflächen auf das Klima hat, wird Ihnen unser 2. Referent des heutigen Abends erläutern, Prof. Wolfgang Werner aus St. Leon Rot. Prof. Werner ist Umweltwissenschaftler und daneben für die SPD im Gemeinderat von St. LeonRot. Sein Thema:
Klimawandel und Artenschwund – Apokalypse oder Panikmache?
Untertitel: Wer küsst das SPD-Dornröschen wach?
Wie üblich sind aber Sie, meine Damen und Herren, die Hauptakteure des heutigen Abends. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und einen diskussionsfreudigen Abend. Bitte Wolfgang…
Heute ist ein wichtiger Tag für die Klimapolitik in Deutschland: Fridays For Future gibt eine Pressekonferenz darüber, wie man sich künftige Klimapolitik in Deutschland vorstellt, bis zum Freitag will die Bundesregierung ihr Konzept zum Klimaschutz vorstellen. Ein schwieriges Unterfangen übrigens, denn Demokratien tun sich immer auch schwer, gute, aber unpopuläre Konzepte zum Klimaschutz zu verabschieden. Eine Umfrage des Allensbach-Instituts zeigt: 57% der Deutschen finden es gut, dass junge Leute für den Klimaschutz demonstrieren, aber nur 33% sind bspw. bereit, höhere Energiepreise zu bezahlen.