Guten Abend, meine Damen und Herren,
nach langer Zeit - dafür umso herzlicher - begrüße ich Sie zu einer neuen Veranstaltung im Rahmen unserer Lobbacher Gespräche. Ich hoffe, sie konnten ohne größere Probleme unsere Platform erreichen. Ja, es gibt sie noch, die Lobbacher Gespräche, wenn auch - den Umständen geschuldet - in deutlich veränderter Form. Technisch gesprochen würde man sagen: ich begrüße Sie zu unserer ersten Ausgabe der virtualisierten Lobbacher Gespräche.
Hinter uns allen liegen anstrengende Wochen, möglicherweise gesundheitlich, vor allem aber mental. Deutschland ist in eine richtige Katastrophensituation gerutscht, gekennzeichnet durch Kontaktverbote bis hin zu Ausgangsbeschränkungen, geprägt durch Reiseverbote (die EU war geradzu implodiert, überall wurden die Grenzzäune wieder hochgezogen wie vor 1960), es kam zu Berufsverboten - Geschäfte und Restaurants, Friseure wurden zwangsweise geschlossen. Ganze Wohnviertel wurden eingezäunt, von Polizisten bewacht, damit die Bewohner nicht der Zwangsquarantäne entfliehen – so geschehen in Gütersloh nach der Infektionswelle beim Fleischfabrikanten Tönnies. Bilder, die man bisher nur aus Italien kannte.
Was war passiert?
Ende Dezember 2019 berichtet ein junger Arzt, dass auf dem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan einige Fälle einer bedrohlichen Lungenkrankheit aufgetreten sind. Die Symptome seien sehr ähnlich der Krankheit SARS (Schweres akutes respiratorisches Syndrom), die 2002 zum ersten Mal auftrat und in Deutschland seinerzeit 774 Tote gefordert hatte. 2 Wochen später, im Januar 2020, hatte sich der Erreger um die halbe Welt verbreitet. Es handelte sich um um ein bis dato unbekanntes Virus vom Corona-Typ (Covid-2), das zu schweren Lungenentzündungen mit Zerstörung des Zellgewebes (eben Covid-19) führen kann.
Mitte Januar 2020, also ziemlich schnell, erreicht das Virus Europa und führt vor allem in Italien zu massenhaften Erkrankungen im Norden des Landes (Bergamo, Cremona). Im Februar 2020 gibt es in Frankreich den ersten Toten in Europa, es folgen noch viele weitere Todesfälle, vor allem in Italien. Ende Februar ist das Virus auch in Deutschland.
Über den Erreger und die Lungenkrankheit ist bis dato naturgemäß wenig bekannt gewesen, entsprechend unklar war, wie man sich am besten gegen die Krankheit schützt, zumal es weder einen erprobten Impfstoff, geschweige denn ein erprobtes Medikament gab/gibt, das den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst.
Die Bilanz heute:
Land Infizierte/Todesfälle Quote Einwohnerdichte
Deutschland 198453/9000 Tote 4,53% 230 /km²
Schweden 73344/5400 Tote 7,36% 25 /km²
Italien: 242000/35000 Tote 14,4% 205/km²
Großbritannien 288000/44000 Tote 15,3%
Frankreich 206000/29500 Tote 14,3%
China: 85000/4700 Tote 5,52%
Zum Vergleich: Die spanische Grippe, die Deutschland zu Ende des 1.Weltkrieges heimsuchte (1918-1920) forderte in Deutschland ca. 425.000 Tote, die Hongkong-Grippe mit dem Erreger H3N2(letzte große Influenza Pandemie des 20. Jahrhunderts) forderte 1969/1970 gesch. 40.000 Tote in Deutschland.
Viele Fragen sind allerdings noch weitgehend offen, z.B.:
Wie konnte es zu dieser weltweiten Epidemie überhaupt kommen, kennt man die Entstehung, die Verbreitungswege?
War Deutschland gut vorbereitet, am Anfang hatte man den Eindruck, dass es eher zu einer Verharmlosung kam (Mund-Nasenschutz kaum nützlich, Die „normale Grippe“ der früheren Jahre hat immer auch zu vielen Toten geführt u.ä.); Allerdings gab es schon länger Informationen über tödliche Corona-Infektionen in Afrika
Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Wirtschaft? Deutschland hat einen Rückgang von fast 10% zu verzeichnen. Wieviele Unternehmen werden die Krise nicht verkraften?
Was macht die Pandemie mit unserer Gesellschaft? Das soziale Profil von Corona tritt immer deutlicher hervor: Hochhäuser in Göttingen, ein Viertel in Berlin-Neukölln, Schlachtbetriebe mit einem hohen Anteil von Leiharbeitern aus dem Ausland - ein beträchtlicher Teil der neuen Hotspots tritt im Milieu der Unterprivilegierten auf, der Armen, der Nicht-Integrierten in diese Gesellschaft.
Die wichtigste Frage aber: Wie sollen wir in Zukunft mit dieser Krankheit leben?
Diese und viele andere Fragen möchten wir heute mit Ihnen diskutieren, da wir der Meinung sind, dass nach wie vor ein hoher Informations- und Gesprächsbedarf bei den Menschen existiert – auch wenn der ein oder andere viele Begriffe wie Corona, Mundschutz, Kontaktsperre oder Social Distancing, Homeoffice oder Home-Schooling (diese neudeutschen Begriffe) vielleicht nicht mehr hören kann. Alles unter der Voraussetzung, dass unser Videokonferenzsystem funktioniert.
Als Gastredner haben wir den Gesundheitsexperten der SPD, Prof. Karl Lauterbach, gewinnen können, den ich ganz herzlich begrüße.
Nach seinem sensationellen Debut in der Heute-show und anderen bekannten Fernsehsendungen freuen wir uns, dass er heute hier ist und unsere/ihre Fragen beantwortet. Karl Lauterbach kommt aus Düren im Rhl. und ist Mediziner und Epidemiologe und seit 2005 Mitglied des deutschen Bundestags. Lt. Eigenen Angaben ein Bundestagsabgeordneter, der noch selbst twittert, also erprobt ist im Umgang mit modernen sozialen Medien.
Die Veranstaltung wird moderiert von Lars Castellucci, Bundestagsabgeordneter für den Rhein-Neckar-Kreis, an den ich nun weitergebe.