Guten Abend meine Damen und Herren,

mein Name ist Reinhard Aldag und ich begrüße Sie zu einer neuen Veranstaltung im Rahmen der Lobbacher Gespräche.

Die „Neue Seidenstraße“ ist der Untertitel unserer heutigen Veranstaltung, was verbirgt sich dahinter und was ist denn die „Seidenstraße“, sozusagen die „alte Seidenstraße“?

Der Begriff prägt eine Handelsroute – eigentlich ein ganzes Geflecht von Straßen – zwischen China, dem Osten Chinas, und ursprünglich dem Nahen Orient und später Westeuropa oder genauer Venedig. Die Reise führte ursprünglich über das Pamirgebirge und die gefährliche Takla-Makan-Sandwüste nach Palmyra in Syrien, sie dauerte oft mehrere Jahre und ging über zahlreiche Relaisstationen. Transportiert wurde zunächst Chinas Exportschlager im Mittelalter, die Seide; später auch andere Kulturgüter wie die christliche Religion dann aber in die Gegenrichtung. Unangenehmerweise kamen aber auch Krankheiten über diesen Weg, prominentes Beispiel im 14.Jahrhundert die schwarze Pest. Bekannt sind auch die Reiseberichte des venezianischen Kaufmanns Marco Polo, der im 13. Jhd. Asien bereiste. Die Bezeichnung „Seidenstraße“ stammt von dem deutschen Geograph von Richthofen, Ende des 19. Jahrhunderts. Heute führt die „Seidenstraße“ (wenn man denn bei dem Begriff bleiben will) von der Ostküste Chinas über Athen und Duisburg bis an die Nord- und Ostsee – in weiten Teilen auch über russisches Staatsgebiet. Es gibt übrigens auch eine „putinfreie“, eiserne Seidentrasse, also eine Eisenbahnlinie über Kasachstan, Georgien und die Türkei, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Mit Seidenstraße im erweiterten Sinn verbindet man aber auch eine politische Bedeutung, die den Einfluß Chinas auf Staaten in Asien und Europa skizziert. Die relevanten Entscheidungen in der Welt werden zunehmend in Peking, Dehli oder Ankara getroffen. Wie gefährlich ist das, braut sich da etwas zusammen? Nach den Erfahrungen mit Hongkong und den Drohungen gegenüber Taiwan ist die westliche Welt vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges aufgeschreckt und verunsichert. Genauer kann Ihnen das aber unser heutiger Gast erläutern, ich begrüße ganz herzlich Reinhard Bütikofer. Herr Bütikofer stammt aus Mannheim und studierte in Heidelberg Philosophie, Geschichte und Sinologie. Anfang der 2000er Jahre war er Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und seit 2008 ist er Abgeordneter im Europa-Parlament. Er ist zudem Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zur VR China und damit prädestiniert für unser heutiges Thema.

Lieber Herr Bütikofer, ich freue mich sehr, dass Sie sich hierher, in diese linksintellektuelle Hochburg Südwestdeutschlands, gewagt haben und wir die Möglichkeit haben, über den parteipolitischen Tellerrand zu blicken, Ich bitte Sie, mit ihrem Vortrag zu beginnen.