Guten Abend, meine Damen und Herren,

meine Name ist Reinhard Aldag und ich komme aus Eberbach. Ich begrüße Sie herzlich zu unserer inzwischen 4. Veranstaltung in der Reihe „Lobbacher Gespräche“.

Das Generalthema dieser und einiger folgenden Diskussionsrunden im nächsten Jahr heißt „Klima und Umwelt“. Vielleicht werden sich jetzt einige fragen: Was hat die SPD mit Umwelt zu tun? Kleiner Hinweis: Die SPD hat seit 2005 drei Umweltminister gestellt, die amtierende Umweltministerin Svenja Schulze ist auch von der SPD.

Nun ist das Thema überaus facettenreich und komplex und so haben wir vor, hier mehrere Veranstaltungen mit Ihnen zu bestreiten.

Den Auftakt bildet heute ein Blick in die Geschichte der Wetteraufzeichnung, wir fangen also ganz vorne an bei den Grundlagen, bei der Erhebung und Interpretation der Meßdaten an. Wetter ist ja nicht gleich Klima, vielmehr bezeichnet Klima die Bedingungen für eine Abfolge von physikalischen Vorgängen, Luftströmungen durch Druckunterschiede in der Atmosphäre, Verdampfungs- und Kondensationsvorgänge also Wolken und Regen, und Temperaturwechsel, durch schwankende Sonnenintensität im Wechsel der Jahreszeiten und über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg, alles Vorgänge, die dann das Wetter in unserer Umgebung erzeugen. Unser Klima hat sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder verändert, aber durchaus mit einer gewissen Regelmäßigkeit: Es gab Phasen größerer Kälte aber auch Phasen größerer Trockenheit und damit meine ich jetzt nicht nur den vergangenen Sommer, sondern Zeiten milder Wetterbedingungen.  Nehmen Sie mal die Zeit vor ca. 1000 Jahren, da segelten die Wikinger nach Norden und fanden grünes Land – Grönland – so einladend, dass sie beschlossen, dort zu siedeln und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Vor ca. 700 Jahren wurde es dann aber doch zunehmend ungemütlich, sodass sie ihre Zelte abbrachen und sich wieder auf den Weg nach Süden machten. Vor ca. 2000 Jahren, der spätrömischen Wärmeperiode oder offiziell Roman Climatic Optimum, erlebte der gesamte Mittelmeerraum eine Blütezeit. Tacitus, ein römischer Historiker und Senator während der Jahrtausendwende um das Jahr 0, lobte in seinen Schriften das ungewöhnlich milde Klima in England, das sogar Weinbau erlaubte, wenn auch keine Oliven. Die Veränderung des Klimas, die natürlich auch immer mit erheblichen gesellschaftspolitischen Veränderungen und kulturellen Ereignissen einherging, ist ein Aspekt der uns in den kommenden Veranstaltungen auch immer wieder beschäftigen wird. Beginnen wir mit der Geschichte der Wetteraufzeichnung. Was hat man sich vorzustellen, wenn gesagt wird: Wir hatten den wärmsten Januar oder… seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Wer könnte Ihnen das besser erläutern als unser heutiger Gast: Herr Dr. Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Herr Dr. Becker hat in Hamburg Meteorologie studiert und begann 1989 beim DWD. Er ist jetzt Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt und Mitglied im Vorstand des Wetterdienstes und Vizepräsident des Amtes. Nebenbei ist er in diversen Konsortien und Beiräten als Mitglied oder Vorsitzender tätig.

Herr Becker, bevor Sie uns erklären, wie man in Offenbach das Wetter macht, gebe ich das Wort an…..